Mit diesem neuen Schritt der Europäischen Union im Kampf gegen Kindesmissbrauch wird eine umfassende Debatte über Datenschutz und Sicherheit im Internet eröffnet.
Der neue Gesetzesentwurf der EU verlangt eine Massen-Überprüfung aller digitalen Nachrichten, einschließlich verschlüsselter Nachrichten, zur Erkennung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch (CSAM).
Datenschutz oder Sicherheit?
Der Gesetzentwurf fordert eine „Upload-Moderation”-System zur Überprüfung aller Nachrichten, freigegebenen Bilder, Videos und Links. Jede Plattform muss für diese Überprüfung die Erlaubnis der Benutzer einholen. Wer keine Erlaubnis erteilt, kann keine Inhalte teilen. Während der Gesetzesentwurf die Bedeutung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung betont, heißt es darin auch, dass diese Verschlüsselung eine sichere Umgebung für die Verbreitung von beleidigendem Material schaffen kann. Dieser Widerspruch sorgt in der Welt der Technologie für große Kontroversen.

Ist ein Scannen möglich, ohne die Verschlüsselung aufzubrechen?
Die EU möchte die Vertraulichkeit der End-to-End-Verschlüsselung schützen und gleichzeitig Nachrichten für das Scannen offen halten. Um dieses Ziel zu erreichen, wird ein System vorgeschlagen, mit dem Nachrichten gescannt werden können, bevor sie verschlüsselt werden. Dieser Vorschlag hat jedoch den Zorn von Messaging-Apps mit Fokus auf Privatsphäre wie Signal auf sich gezogen. Die Präsidentin von Signal, Meredith Whittaker, erklärt, dass der Gesetzesentwurf die Verschlüsselung grundlegend schwächt und dass die App in der EU nicht mehr funktionieren wird. Whittaker betont, dass solche Ansätze zu Sicherheitslücken führen werden, da der Schutz durch unknackbare Mathematik aufgehoben und durch eine Sicherheitslücke mit hohem Wert ersetzt wird.
📣Offizielle Erklärung: Der neue EU-Vorschlag für Chatkontrollen zum Massenscannen ist die gleiche alte Überwachung mit neuem Branding.
Ob Sie es Hintertür, Vordertür oder „Upload-Moderation“ nennen, es untergräbt die Verschlüsselung und schafft erhebliche Schwachstellenhttps://t.co/g0xNNKqquA pic.twitter.com/3L1hqbBRgq
– Meredith Whittaker (@mer__edith) 17. Juni 2024
Bekämpfung von Kindesmissbrauch oder Verletzung des Persönlichkeitsrechts?
Der Schritt der Europäischen Union wird zwar als wichtiger Schritt im Kampf gegen Kindesmissbrauch angesehen, weckt aber auch Bedenken hinsichtlich der digitalen Privatsphäre und Sicherheit. Nicht nur Datenschutzaktivisten sind gegen den Gesetzesentwurf, sondern auch zahlreiche Organisationen, Parlamentsabgeordnete und junge Menschen. Namhafte Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation, das Center for Democracy & Technology und Mozilla haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Bedenken hinsichtlich solcher Vorschläge zum Scannen von Benutzerinhalten zum Ausdruck bringen.

Der deutsche Europaabgeordnete Patrick Breyer glaubt, dass die Befürworter der Chat-Kontrolle versuchen, eine Zeit geringen öffentlichen Interesses auszunutzen, und das neue Europäische Parlament muss sich noch bilden. Breyer sagt, dass viele Europaabgeordnete verstehen, dass Grundrechte Massenüberwachung verbieten. Dennoch wollen sie sich einem Plan nicht widersetzen, der als Bekämpfung von CSAM (Material zum sexuellen Missbrauch von Kindern)Breyer betont jedoch, dass Kinder und Missbrauchsopfer wirklich wirksame und vor Gericht Bestand habende Maßnahmen und keine leeren Versprechungen verdienten.
Einer Umfrage von European Digital Rights (EDRi) zufolge sind 66 % der jungen Menschen in der EU gegen Richtlinien, die es Internetanbietern ermöglichen, ihre Nachrichten zu scannen.
Es bleibt abzuwarten, wie dieser Gesetzentwurf Gestalt annehmen und die Tech-Welt beeinflussen wird. Wie man ein Gleichgewicht zwischen der Bekämpfung von Kindesmissbrauch und der digitalen Privatsphäre findet, ist eine wichtige Frage, die alle Teile der Gesellschaft betrifft.
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Source: Neuer EU-Gesetzesentwurf erfordert Massenscannen aller digitalen Nachrichten zur CSAM-Erkennung





