Forscher der Universität Tokio haben auf Bevölkerungsebene gezeigt, dass Insulinresistenz ein Risikofaktor für 12 Krebsarten ist. In der am 15. Februar in Nature Communications veröffentlichten Studie wurde ein maschinelles Lerntool auf Daten von rund einer halben Million Teilnehmern der britischen Biobank angewendet.
Das Tool mit dem Namen AI-IR (künstliche Intelligenz abgeleitete Insulinresistenz) verwendet neun klinische Standardparameter, die bei routinemäßigen Gesundheitsuntersuchungen gesammelt werden, um die Insulinresistenz vorherzusagen. Für die direkte Messung sind in der Regel spezielle Tests erforderlich, die nur in fortgeschrittenen Diabetes-Kliniken zu finden sind, was eine groß angelegte Auswertung unpraktisch macht. Das Modell kombiniert diese Parameter zu einer einzigen Metrik, um eine Insulinresistenz zu erkennen, die der Body-Mass-Index (BMI) allein nicht erklären kann. Ärzte verwenden den BMI oft als Indikator, aber er führt zu falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen: Manche Menschen mit Fettleibigkeit bleiben metabolisch gesund, während andere mit normalem BMI eine Insulinresistenz entwickeln.
AI-IR übertraf den BMI, die Kriterien des metabolischen Syndroms und andere etablierte Marker bei der Vorhersage der Diabetes-Inzidenz. Bei der Validierung mit unabhängigen Kohorten aus den USA und Taiwan erzielte das Tool im Vergleich zur direkt gemessenen Insulinresistenz eine starke Vorhersageleistung.
Bei der Anwendung von AI-IR auf die Bevölkerung der britischen Biobank stellten die Forscher fest, dass Teilnehmer, die als AI-IR-positiv eingestuft wurden, aber keinen Diabetes hatten, im Vergleich zu denjenigen, die negativ getestet wurden, immer noch einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt waren. „Während ein möglicher Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und Krebs vermutet wurde, waren umfassende Beweise aufgrund der Schwierigkeit, die Insulinresistenz in der Klinik zu bewerten, begrenzt“, sagte Yuta Hiraike, Forscherin am Universitätskrankenhaus Tokio, die die Studie leitete. „Aber mit AI-IR haben wir den ersten bevölkerungsweiten Beweis dafür geliefert, dass Insulinresistenz ein Risikofaktor für Krebs ist.“
Da die Eingaben aus Standard-Gesundheitsuntersuchungen stammen, könnte das Tool ein umfassendes Screening auf Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs ermöglichen, ohne dass spezielle Klinikbesuche erforderlich sind. Das Team untersucht nun, wie genetische Unterschiede das Krebsrisiko im Zusammenhang mit Insulinresistenz beeinflussen. Ziel ist es, umfangreiche menschliche Daten mit der Molekularbiologie zu verknüpfen, um Strategien zur Überwindung der Insulinresistenz zu entwickeln.







